Wer bin ich?

Manchmal beginnt eine große Frage mit einem einfachen Satz.
René Descartes formulierte im 17. Jahrhundert einen Gedanken, der die Philosophie bis heute prägt: „Cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich.“

Descartes suchte nach einer Gewissheit, an der kein Zweifel möglich ist. Alles konnte unsicher sein: unsere Wahrnehmungen, unsere Überzeugungen, vielleicht sogar die Welt selbst. Doch eines blieb: Während ich zweifle, denke ich. Und solange ich denke, existiere ich. Das denkende Ich wird zum sicheren Ausgangspunkt.

Viele Jahrhunderte lang hat dieser Gedanke unser Menschenbild geprägt. Der Mensch erschien vor allem als vernünftiges Wesen – als ein Wesen, das denkt.

Erst viel später hat der Neurologe Antonio Damasio diesen Blick erweitert. In seinem Buch „Descartes’ Irrtum“ zeigt er, dass Denken und Fühlen nicht getrennt voneinander existieren. Gefühle sind kein Gegensatz zur Vernunft. Sie sind eine Grundlage unseres Bewusstseins. Aus dieser Einsicht entsteht ein neuer, beinahe spiegelnder Satz:
„Ich fühle, also bin ich.“

Gerade in unserer Zeit bekommt dieser Gedanke eine besondere Bedeutung. Maschinen können heute vieles übernehmen, was wir früher für eine ausschließlich menschliche Fähigkeit hielten: rechnen, analysieren, sogar Texte schreiben. In gewisser Weise können Computer also denken.
Aber fühlen können sie nicht.

Gefühle entstehen aus unserem leiblichen Dasein, aus Beziehung, aus dem Berührtwerden durch die Welt. Vielleicht liegt genau hier das Geheimnis unseres Menschseins: nicht im Denken allein, sondern im Zusammenspiel von Fühlen, Wahrnehmen und Denken.

Vielleicht beginnt die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ genau dort – in dem, was uns innerlich bewegt.