Zitat des Monats Juni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider.
Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft,
während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen
in der Meinung, sie passten auch heute noch.
(George Bernard Shaw)
Im Gespräch von Anja und Waltraut über das Zitat von George Bernard Shaw wird deutlich, wie sehr unsere Wahrnehmung von anderen Menschen von früheren Erfahrungen geprägt ist. Oft begegnen wir Kindern und Erwachsenen mit Bildern, Einschätzungen und Erwartungen, die wir bereits von ihnen haben. Dadurch kann es geschehen, dass wir weniger den Menschen sehen, der uns heute gegenübersitzt, als vielmehr unsere Erinnerungen an ihn.
Anja und Waltraut sprechen darüber, dass Entwicklung immer auch Veränderung bedeutet. Menschen bleiben nicht stehen, sondern entwickeln sich ständig weiter – bewusst oder unbewusst. Gerade deshalb kann es hilfreich sein, anderen immer wieder neu zu begegnen und neugierig zu bleiben auf das, was heute sichtbar wird.
Ein weiterer Gedanke des Gesprächs knüpft an die Arbeiten von Gerald Hüther an. Unsere eigenen Erfahrungen, Glaubenssätze und „Verwicklungen“ beeinflussen nicht nur den Blick auf andere Menschen, sondern auch den Blick auf uns selbst. Wer andere in ihrer Entwicklung begleiten möchte, ist deshalb immer wieder eingeladen, die eigenen Muster zu hinterfragen und sich selbst mit derselben Offenheit zu begegnen, die er auch anderen schenken möchte.
So wird das Bild des Schneiders zu einer Einladung: Menschen immer wieder neu wahrzunehmen – mit Neugier, Offenheit und dem Vertrauen, dass Entwicklung möglich ist.